Kursächsische Gas und Kraft G.m.b.H.


Über die Kursächsische Gas und Kraft G.m.b.H. findet man nur sehr wenig Material. Dieses Werk wurde von der Rütgerswerke A.G. gebaut und sollte möglichst schnell große Ölmengen während des 1. Weltkrieges durch Schwelgeneratoranlagen bereitstellen. In der Anlage sollte Rohbraunkohle unter Gewinnung von Teer und Ammoniak vergast werden und das Generatorgas, soweit es nicht selber verarbeitet werden konnte, an weiterverarbeitende Werke abgegeben werden. Bei der Vergasung der Rohbraunkohle ergaben sich jedoch so enorme Schwierigkeiten, dass die Anlage nicht in Betrieb ging. Eine komplette Stilllegung und Demontage der Anlage erfolgte später auf Grund des Versailler Vertrages.

In der Chronik von Krumpa finden sich folgende vier Eintragungen:

  • 1915...Kursächsische Gas und Kraft G.M.B.H. wird gebaut, um aus Braunkohle Schmier- und Treibstoffe herzustellen.

  • 25.01.1917...Petschbachverlegung in der Flur Kraut Förden wegen dem Bau von "Kursachsen"

  • 28.06.1919...Das Werk "Kursachsen" wird auf Grund des Versailler Vertrages stillgelegt.

  • 10.01.1920 ... Werk "Kursachsen" wird auf Grund des Versailler Vertrages demontiert.


Weiter Erwähnungen der Kursächsischen Gas und Kraft G.m.b.H. findet man in der Biographie von Oskar Hippe und in einem Beitrag von Walter Harang im Heimat- Jahrbuch für den Regierungsbezirk Merseburg 1933.

Oskar Hippe

Oskar Hippe

"Und unsere Fahn' ist rot" , Junius- Verlag: Hamburg 1979

Oskar Hippe wurde 1900 in Lützkendorf geboren und gehörte zu den dt. Trotzkisten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Hippe war nach 1945 FDGB Sekretär in Berlin. 1948 wurde er vom NKWD verhaftet und 1949 zu 2 x 25 Jahre Arbeitslager verurteilt. Im Jahre 1956 wurde er begnadigt und siedelte nach West- Berlin um, wo er weiter über die Jahre politisch aktiv war und 1990 verstarb.

Oskar Hippe, "Und unsere Fahn' ist rot", Junius-Verlag: Hamburg 1979

"..., nach Hause zurückzukehren. Wegen der Flugblattverteilung in dem Berliner Betrieb waren keine Anfragen seitens der Polizei erfolgt. Im Januar 1918 ging ich nach Hause zurück. Arbeit konnte ich als Revolverdreher nicht finden, da es im Geiseltal kaum Metallbetriebe gab. Es machte aber keine Schwierigkeiten, andere Arbeit zu bekommen: in unserem Ort wurde ein neues Werk für Kohleverschwelung und -verflüssigung aufgebaut, das Treibstoffwerk Lützkendorf. Es sollte dem immer größeren Treibstoffmangel in der Industrie und an der Front abhelfen. Im Werk wurden achtundvierzig Generatoren erstellt, die der Kohleverschwelung dienen sollten. Zwei Monteure arbeiteten dort mit vier französischen Kriegsgefangenen. Ich wurde sofort eingestellt. Zu meiner Freude waren die Monteure Sozialisten und Gegner des Krieges. So hatte ich auch politisch wieder Kontakt gefunden. Im Braunkohlenrevier war allerdings politisch nicht viel los, da nur noch ganz junge und ganz alte Kollegen in den Betrieben beschäftigt waren und der Großteil der Arbeit von Kriegsgefangenen gemacht wurde.
Auch in unserem Werk gab es ein Lager für Kriegsgefangene. Die Aufenthaltsräume bestanden aus primitiven Baracken, umgeben von einem hohen Zaun aus Stacheldraht. Die Wachmannschaft waren Landsturm-Leute, zum Teil auch Hilfsdienstpflichtige. Unter ihnen war ein Mann von zirka fünfundzwanzig Jahren, klein und verkrüppelt, für unsere Begriffe ein Sadist. Mittags und Abends mußten die Gefangenen in zwei Gliedern antreten, wobei er besonders bei den russischen Gefangenen darauf sah, daß sie in preußischer Exaktheit ausgerichtet waren. Mit zwei Stöcken bewaffnet, ging er die Front entlang, und bei der geringsten Kleinigkeit schlug er auf die Gefangenen ein. Der Kommandant, ein Vizefeldwebel, war selten im Lager. Im Zivilberuf war er landwirtschaftlicher Inspektor auf einem nahegelegenen Rittergut. ..."

Kursächsische Gas und Kraft G.M.B.H

Kursächsische Gas und Kraft G.M.B.H

Walther Harang/ Mücheln, "Crumpa - Eine Landgemeinde im Schatten der Industrieschlote", aus "Heimat - Jahrbuch für den Regierungsbezirk Merseburg", Querfurt 1933, S. 83 - 87

...Im Weltkriege 1914 bis 1918 wurde Crumpa Sitz eines Unternehmens, das hier im Gebiet der Rohkohleförderung und der Brikettherstellung etwas ganz Neues darstellte und das für die Kriegswirtschaft und - wie angenommen wurde - auch für die Nachkriegszeit von Bedeutung sein sollte. "Kursachsen = Crumpa", welch ein Klang hatte der Name, und welch Hoffnung knüpfte sich an ihn! Die Kursächsische Gas und Kraft G.m.b.H. Crumpa erbaute hier 1915 in kurzer Zeit und in neuzeitiger Weise ein Werk, das die Aufgabe hatte, Braunkohle (von der benachbarten Lützkendorfer Grube Cecilie) zu höherwertigen Erzeugnissen umzuwandeln auf dem Wege der Vergasung mit dem Ziele der Gewinnung von Schmier- und Treibmitteln, zunächst für die Unterseeboote während des Weltkrieges. So kam Crumpa in vieler Munde und nahm in der Geiseltalindustrie eine Sonderstellung ein. Arbeiterwohnungen wurden geschaffen. Die Landwirtschaft trat zurück. Crumpa war auf dem Wege, ein Industrieort zu werden...



Sprengung Schornstein Kursachsen 1936

Sprengung Schornstein Kursachsen 1936

weiter im Text

...Das einst so stolz und mit so großen Hoffnungen erbaute Crumpaer Werk steht heute verlassen da. Die Schornsteine, die nie geraucht haben, wurden auf Abbruch verkauft und sind zum Teil schon umgelegt. Das Werk ist nie recht in Betrieb genommen worden. Die Versuche ergaben die Untauglichkeit der Geiseltalkohle für eine wirtschaftliche Ausnutzung in der geplanten Weise und mit den vorhandenen Anlagen. Damit war der Traum von einem industriewirtschaftlichen Aufschwung ausgeträumt...