August Rosterg

August Rosterg

August Rosterg

Generaldirektor der Wintershall AG 1914-1945

Rosterg, August

Industrieller, * 22.2.1870 Massen (heute Unna, Westfalen), 13.11.1945 Stockholm.
Genealogie
V Heinrich (1827 1903), Steiger in Niedermassen. S d. Johann Dietrich (1802 80),
Bergmann. Fahrhauer ebd.; M N. N.; # Dora Strauch (1873 1913); 3 K u. a. Heinz
(eigtl. Heinrich) (* 1904), Dr. iur., Vorstandsmitgl. d. Wintershall AG (s. W).
Leben
August Rosterg, zehntes von dreizehn Kindern einer westfälischen Bergmannsfamilie, besuchte die
Volksschule, arbeitete als Jungbergmann, absolvierte nebenbei die Bergvorschule,
anschließend die Maschinenbauschule in Dortmund sowie 1890-93 die Bergschule in
Bochum.Der ihm als Jahrgangsbestem verliehene Preis ermöglichte ihm 1895/96 ein
Studium an der Bergakademie Clausthal. Nach ersten Anstellungen als Steiger im
Kalischacht Schüssel bei Salzgitter und als Betriebsführer des Kalkwerks
Messinghausen (Sauerland) wechselte er 1898 als Betriebsführer zur
Kali-Bohrgesellschaft Wintershall der westfälischen Gewerken Heinrich Grimberg und Carl
Julius Winter und brachte erste Mutungsbohrungen sowie anschließend den Schacht
Grimberg bei Heringen/Werra trotz großen Wasserzuflusses erfolgreich nieder. Sein
technisches Geschick, gepaart mit wirtschaftlichem Sachverstand, brachte der
Kaligrube schnell ökonomischen Erfolg. Um 1906 zum technischen Direktor und
1914 zum Generaldirektor (seit 1918 auf Lebenszeit) des Kalibergwerks ernannt,
baute August Rosterg die Firma zu einem hochrentablen Konzern aus, der in den 1920er Jahren
andere Kalibergwerke (insgesamt 154) und deren Syndikatsquoten (Ende d. 1920er
Jahre ca. 40%) angliederte und die Kaliförderung auf die leistungsstärksten Schächte
mit den niedrigsten Kosten konzentrierte (u. a. Werk Kaiserroda b. Merkers als
weltgrößtes Kalibergwerk mit modernen Weiterverarbeitungsbetrieben). 1921
gründete er mit der "Dresdner Bank" die "Kali-Industrie AG", Kassel, als
Finanzierungs- und Holdinggesellschaft, die 1929 in "Wintershall AG" umfirmierte.
Seit dieser Zeit kapitalmäßig an dem verschachtelten Konzern beteiligt, verfügte er
seit den 1930er Jahren zusammen mit Günther Quandt (1881 1954) über die
Majorität. Der Konzern hatte eine beherrschende Stellung im Kalisyndikat (Rosterg war 1.
stellv. Vors. d. "Dt. Kalisyndikats GmbH"). Rosterg schloß 1926 mit Frankreich ein
Exportkartell ab. 1927 gründete er mit Peter Klöckner (1863 1940) die
"Gewerkschaft Victor", Castrop-Rauxel, um als Außenseiter des Syndikats mit
synthetisch hergestelltem Mischdünger aus Ammoniak und Kali in die
Weiterverarbeitung der eigenen Rohprodukte zu höherwertigen Düngemitteln für die
Landwirtschaft vorzudringen (1908/09 erste Sulfatfabrik b. Heringen). 1931 erweiterte
Rosterg den Konzern um die heimische Erdölförderung einschließlich Erdgasgewinnung
als zweitem wirtschaftlichen Standbein des Wintershall-Konzerns, wobei er in den
1930er Jahren auch in die Erdölverarbeitung (Gewerkschaft Elwerath, Gewerkschaft
Dt. Erdölraffinerie) einstieg. Ausgehend vom Bergbau, hatte er in drei Jahrzehnten
einen vertikal gegliederten Konzern vom Rohprodukt bis zur Weiterverarbeitung für
die Sparten Kali und Erdöl aufgebaut.
Rosterg gehörte zu den frühen Förderern der NSDAP, befürwortete 1932 die Ernennung
Adolf Hitlers zum Reichskanzler, war Mitglied im Keppler-Kreis bzw. im
Freundeskreis des Reichsführers SS Heinrich Himmler und beteiligte
sich an der NS-Aufrüstung (Fischer-Tropsch-Werke: Gewerkschaft Victor 1935,
Lützkendorf 1936, Magnesiumelektrolyse Heringen 1935). Er war
Aufsichtsratsmitglied in der 1941 gegründeten "Kontinentale Öl AG" zur Ausbeutung
der Erdölquellen in der Sowjetunion. Ende 1944 setzte er sich nach Schweden ab|.
Auszeichnungen
Vors. d. Aufsichtsrats d. "Chemikalien-AG", Berlin; August-Rosterg-Haus in Kassel
(1957).
Werke
Die Primäranlagen u. d. Hauptschachtfördermaschine d. Gewerkschaft Wintershall,
Heringen a. d. W., in: Glückauf 42, 1906, S. 965-81; zu Heinz: Der dt.-franz.
Kalivertrag, Diss. Leipzig 1928.
Literatur
Wintershall AG (Hg.), Ansprache in d. Feierstunde aus Anlaß d. Enthüllung e. Büste
d. Schöpfers d. Wintershall-Konzerns sowie d. Fertigstellung d. Gebäudes d.
Hauptverw. in Kassel , gehalten v. Wilhelm Zentgraf, Vors. d. Vorstands d.
Wintershall Aktienges., 1957; D. Hoffmann, Acht J.zehnte Gefrierverfahren n.
Poetsch, 1962, S. 127; R. Vogelsang, Der Freundeskreis Himmler, 1972; D. Mehnert,
Konkurrenz, Konzepte, Kieserit, Die Kaliind. im Werratal 1918-2002, 2002; R. Karisch
u. R. G. Stokes, Faktor Öl, Die Mineralölwirtsch. in Dtld. 1859-1974, 2003, S. 144-46;
Wenzel; Rhdb. (P); eigene Archivstudien; Wintershall AG.
Autor
Manfred Rasch
Empfohlene Zitierweise
Rasch, Manfred, " Rosterg, August", in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S.
98-99 [Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd139279962.html
14. Oktober 2010 um 23:06:52 Uhr CEST
Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften