Freitag der 9.Februar 1945

Freitag der 9.Februar 1945

AK Lützkendorf Cafe Probst

AK Lützkendorf Cafe Probst

Biladarchiv:www.dasgeiseltal.de

Am 9. Februar 1945 wurde das Werk der Wintershall A.G. Lützkendorf erneut bombardiert. Unter der Missionsnummer 824 griff die 8. US Air Force mit 233 B- 17 Flying Fortress Lützkendorf an. Zwei zuvor geplante Angriffe, in dem Lützkendorf das primäre Hauptziel war (16. Januar und 6. Februar 1945), mußten auf Grund der kompletten Bewölkung (10/10) über dem Zielgebiet kurz vor dem Bombenlauf abgebrochen werden.
Der Anflug der einzelnen Verbände erfolgt aus südlicher Richtung.

Bericht des Luftschutzleiters Eisenberg an den Landrat in Stadtroda

12,23 Uhr: Flugzeuge westl. Eisenberg Kurs Nord,
12,24 " : Rauchzeichen in Richtung Weimar, weitere Flugzeuge westl. Eisenberg Kurs Nord,
12,26 " : Flugzeuge über Eisenberg Kurs Nord,
12,29 " : " " " " " ,
12,35 " : Flakfeuer in Richtung Jena,
12,39 " : Motorengeräusche aus Richtung Halle,
12,52 " : Flugzeuge westl. Eisenberg Kurs Nord, südl. Eisenberg Kurs Ost und über Eisenberg Kurs Nordwest, Flakfeuer in Richtung Jena
12,54 " : Verbände drehen nach Nord, neue Verbände über Eisenberg Kurs Nordost
13,01 " : Verbände über Eisenberg Kurs Nord,

Gegen 13:00 Uhr kommt es beim Anflug auf Lützkendorf zu einer Kollision zweier B- 17 Flying Fortress. Hierbei schert die Maschine von Lt. Robert J. Barrat nach einem Flaktreffer seitlich aus und kommt dadurch in den Luftstrom einer voraus fliegenden Maschine. Dieses bewirkt das Barrat's Maschine nach oben triftet und mit der Maschine von Alfred K. Nemer kollidiert. Nemer's rechter Propeller (Motor Nr. 4) teilt dabei Barrat's Maschine in 2 Hälften. Während Barrat's Maschine über Eisenberg abstürzt, kann sich Nemer's Maschine vorerst in der Luft halten. Auf Grund der Schäden wird Lt. Nemer schnell klar, dass er es nicht nach Hause schaffen wird und bittet um Erlaubnis in östliche Richtung hinter russische Linien zu fliegen.

Weiterführende Informationen mit Flash- Animation unter:

http://www.burion.de/index.php/lostplaces/38-milgeschichte/46-absturz-eines-b17-bombers-bei-eisenberg-im-jahr-1945

Im Treibstoffwerk Lützkendorf wird die Schadenssumme nach diesem Angriff auf 10.000.000,- RM beziffert. Schäden durch Verlust von Halb- und Fertigprodukten schlagen mit 431.382,- RM zu Buche. In Krumpa trifft es besonders die Dr.Todtstraße und den Schortauer Weg, in dem sich die Häuser der Direktion des Treibstoffwerkes befinden.

Schortauer Weg 2 - 4
Jantzen - Billig = 100%
Gutheil = 50%

Schortauer Weg 6 - 8
Dr. Neumann = 100%
Wagner = 20%

Schortauer Weg 18
Direktor Taubert = 70%
Schortauer Weg 20
Direktor Schneeberger = 100%
Schortauer Nebenweg 4
Dr. Joßwich (Katorfabrik) = 80%
Dr. Todtstraße 19, 21 = 100%

Schortauer Weg 1945

Nach Aufzeichnungen der Grubenverwaltung der AKW Cecilie erfolgte der Angriff von 12:55Uhr bis 13:05Uhr mit überwiegend 500lbs Sprengbomben. In den Gruben Elisabeth und Cecilie werden je 90 Treffer gemeldet, die Verbindungsbahn zwischen der Grube Elisabeth und Cecilie 10 Treffer und auf den umliegenden Feldern 40 Treffer. Im Gruben- und Abraumbetrieb der Deutschen Grube (I.G. Farben Leuna) gehen 116 schwere Bomben nieder. Das Stellwerk I im Abraum der Grube weißt schwerste Beschädigungen auf. In Mücheln wird der Ortsteil Möckerling und Neubiendorf schwer in Mitleidenschaft gezogen. In der Besichtigung der Fliegerschäden der AKW, Grube Cecilie, am 13.2.1945 wird wegen der starken Zerstörungen ein Aufbau des Betriebes vor Kriegsende nicht mehr in Erwägung gezogen. Die Anlage soll aber, notdürftig in Stand gesetzt, weiter laufen.

Der 9. Februar 1945 war mit einer der schwersten Angriffe auf Lützkendorf und das Geiseltal. In der Tagesmeldung des OKW wird Mücheln erstmalig erwähnt. Mit Sicht auf die Gesamtlage im dt. Reich, stuft man jedoch die Angriffe nur als "mittelschwere Angriffe" ein.