Kohlegruben im Geiseltal

  • Grube Pauline
  • Grube Cecilie
Das Geiseltal mit seinen abbauenden Kohlegruben

Das Geiseltal mit seinen abbauenden Kohlegruben

Bildquelle: 50 Jahre Mitteldeutscher Braunkohlen- Bergbau W. Knapp Verlag Halle/S.


Das Geiseltal war ein sehr spät aufgeschlossenes Revier und entwickelte sich ab 1905/1907 zu einem der ertragreichsten Reviere in Mitteldeutschland. Für diesen späten Aufschluss waren mehrere Faktoren verantwortlich.
Das Geiseltal fiel 1815 an Preußen, nach dem der Wiener Kongress (18.9.1814-9.6.1815) eine Neuordnung der Grenzen und Staaten in Europa vornahm. Anlass war die Niederlage Napoleon Bonaparte. Preußen ließ das Kursächsische Kohlenmandat von 1743 in seiner grundsätzlichen Form unberührt, so dass der Abbau von Kohlen lediglich der Verfügungsgewalt des Grundeigentümers unterstellt war. In dem auch als Mandatsgebiet bezeichneten Teilen wurden die Kohlenabbaurechte nicht vom Staat verliehen, sondern diese Gruben bauten auf Grund von Bauerlaubnisscheinen. Somit konnte jeder Eigentümer nach Kohle graben, was eine Vielzahl von Klein- und Kleinstgruben im Geiseltal hervorbrachte. Diese sogenannten "Bauerngruben" hatten nur regionale Bedeutung für den Hausbrand.

Mutungsbohrungen

Mutungsbohrungen

Bildquelle: Stadtarchiv Mücheln

Erst mit der Ansiedelung neuer Abnehmer (Zuckerindustrie) vermochten sich die Gruben im Geiseltal weiter zu entwickeln. Der große Energiebedarf machte die Gruben rentabel, da sie den größten Teil (60%-80%) ihrer Förderung den Zuckerfabriken verkauften. Mit dem Bau der Straßen- und Eisenbahnverbindung Merseburg - Mücheln (1877 u. 1886) war es den Firmen und Gruben nun möglich neue Abnehmerverhältnisse zu erschließen. 1885 ließ sich die erste größere Bergwerksgesellschaft, die Dörstewitz - Rattmannsdorfer Braunkohlen Industrie A.G., im Geiseltal nieder. Jedoch sollte es noch ein Viertel Jahrhundert dauern, bis die rasante Entwicklung in diesem Revier begann.
Ein Hemmschuh war die Landwirtschaft. Im Geiseltal, wie allgemein in der hallischen Gegend, gab es und gibt es einen sehr fruchtbaren Boden aus Löß mit darüber liegender Schwarzerde. Mit den herrschenden klimatischen Bedingungen ein ideales Anbaugebiet für Zuckerrüben und Getreide. Kaum ein Grundeigentümer wollte sein doch fruchtbares Land verkaufen, zumal die Mächtigkeit der Kohle noch nicht erkannt war.

Entwässerungsgraben

Entwässerungsgraben

Bildquelle: Stadtarchiv Mücheln

Das Haupthindernis dieses Reviers war jedoch das Wasser. Was einst zur Kohle führte, war nun hinderlich bei der Entwicklung dieser Region. Durch die geographische Form des Tales, gab es seit je her natürliche Wasserzuläufe von Regen- und Schmelzwasser. Kam man in tiefere Schichten, wurde die Kohle breiig. Man sprach auch von schwimmender Kohle. Eine Eigenschaft die viele Gewerkschaften als finanzielles Abenteuer ansahen.
Im Jahre 1897 nahm die Dörstewitz - Rattmannsdorfer Braunkohlen Industrie A.G. die erste Brikettpresse im Revier (Grube Emma) in Betrieb. Als Initialzündung für das Geiseltaler Revier muss wohl die Jahre 1905/ 1906 gelten. Die konjunkturell gute Stimmung veranlasste Bergwerksbetreiber Mutungsbohrungen vorzunehmen. Dabei erkannte man die Mächtigkeit der hier lagernden Kohle und deren Ausmaße. So erbohrte man in Möckerling und Runstädt Tiefen von ca. 100m. Schnell erkannten andere Gesellschaften das Potenzial und kauften nun Grundstücke im großen Stil auf.

  • 1906 Aufschluß der Grube Elisabeth/ Mücheln durch die Anhaltische Kohlenwerke AKW

  • 1906 Aufschluß der Grube Cecilie/ Lützkendorf durch die Gewerkschaft Christoph Friedrich

  • 1907 Aufschluß der Grube Rheinland/ Großkayna durch die Gewerkschaft Michel

  • 1907 Aufschluß der Grube Beuna/ Oberbeuna durch die Beunaer Kohlenwerke (Deutsch- Österreichische Bergwerksgesellschaft)

  • 1910 Aufschluß der Grube Leonhardt/ Neumark durch die Gewerkschaft Leonhardt

  • 1911 Aufschluß der Grube Pfännerhall/ Braunsdorf durch die Hallesche Pfännerschaft

  • 1912 Aufschluß der Grube Elise II/ Mücheln durch die Gewerkschaft Elise II

  • 1917 Erwerb der Gewerkschaft Elise II, Grube Pauline, Zuckerfabrik Körbisdorf durch die BASF

  • 1921 pachtet die Deutsche Erdöl A.G. (DEA) die Beunaer Kohlenwerke und ihre Grube

  • 1928 Beunaer Kohlenwerke gehen in den Besitz der Deutschen Erdöl A.G. (DEA) über

Braunkohlenwerk Elise II der BASF

Braunkohlenwerk Elise II der BASF

Bildquelle: Imagemappe der I.G. Farben 1928

Ammoniakwerke Merseburg I.G. Farben Leuna

Ammoniakwerke Merseburg I.G. Farben Leuna

Bildquelle: Imagemappe I.G. Farben 1928

Kohlebeförderung per Seilbahn Leuna

Kohlebeförderung per Seilbahn Leuna

Bildquelle: Imagemappe I.G. Farben 1928

Am 1. Mai 1916 begann der Bau des Ammoniakwerkes Merseburg bei Leuna. Die großen Vorkommen des Geiseltals, die Nähe der Saale und die damalige strategische Lage in Mitteldeutschland waren ausschlaggebend für die Standortwahl der BASF. Nach der Übernahme der Gewerkschaft Elise II 1917, intensivierte man die Förderung. So war die Grube Elise II der Hauptversorger für das Leuna- Werk.

Grube Otto Tannenberg

Grube Otto Tannenberg

Bildquelle: Imagemappe I.G. Farben 1928

Die Gruben entwickelten sich immer mehr zu Großbetrieben. Die Grube Otto, in der noch bis 1902 die Braunkohle untertage gefördert wurde und die hinter der Entwicklung der anderen Gruben zurück lag, nahm mit der Hallischen Pfännerschaft ein Feldertausch vor. Nach dem sie die Tannenbergischen Felder erworben hatte, förderte sie ab 1926 nun unter der Grubenbezeichnung "Otto Tannenberg".

Grube der I.G. Farben Elise II

Grube der I.G. Farben Elise II

Bildquelle: Stadtarchiv Mücheln

Die 20-er Jahre waren geprägt von Streiks und politischen Auseinandersetzungen. Auf linke Überzeugungen reagierten die Gruben mit Entlassungen oder bei Neueinstellung war die Zugehörigkeit zum Stahlhelm (Soldatenbund) mehr oder weniger Grundvoraussetzung. Die Hyperinflation 1922 - 1923 ließ den Absatz an Kohle schwinden und betraf alle Gruben im Geiseltal. Mitte der 20-er Jahre stabilisierte sich die Lage der Gruben. Am 23.und 24. Oktober 1929 kam es zum Börsencrash an der Wall Street, der eine Weltwirtschaftskrise mit sich brachte unter der auch die Gruben des Geiseltals leiden mußten. So wurden bzw. mussten teilweise Gruben außer Betrieb genommen werden. Anfang der 30-er Jahre kauften die Gebrüder Petschek, Kohlemagnaten aus Böhmen, die Anhaltischen Kohlenwerke A.G. und die Werschen- Weißenfelser- Braunkohlen A.G., die auch Gruben im Geiseltal besaßen, auf.

Hyperinflation 1923

Hyperinflation 1923

Bildquelle: Stadtarchiv Mücheln

AK Kohle- und Treibstoffwerke

AK Kohle- und Treibstoffwerke

Mit der Machtergreifung des Nationalsozialismus und dem Vierjahresplan erfolgte ein enormer Anstieg der Förderung. Die bereits 1927 angelaufene synthetische Herstellung von Treibstoffen aus Kohle, in den Leuna Werken, wurde ausgefahren. 1936 kamen als Großabnehmer das Treibstoffwerk Lützkendorf und das ersten deutschen BUNA- Synthesekautschuk- Werk in Schkopau hinzu. Die Hallesche Pfännerschaft wurde 1938 Teil der Salzdetfurth AG, nach dem Sie sich bereits im Jahre 1926 mit der Mansfeld AG vereinigte. Die Arisierung der Anhaltischen Kohlenwerke A.G. und der Werschen- Weissenfelser- Braunkohlen A.G. 1938, brachten sowohl der I.G. Farben als auch der Wintershall neuen Grubenbesitz ein.
Nach Kriegsende wurden 1948 die VEB Braunkohlenwerke Großkayna, Mücheln und Neumark gegründet. 1952 folgte das VEB Braunkohlenwerk Pfännerhall Braunsdorf, das sich 1960 mit dem Braunkohlenwerk Neumark und dem Braunkohlenwerk Großkayna zu dem VEB Braunkohlenwerk Geiseltal- Mitte zusammenschloss. Anschließend erfolgte der Zusammenschluss mit dem VEB Braunkohlenwerk Mücheln 1966 zum VEB Braunkohlenwerk Geiseltal.

Grube Emma bei Lützkendorf

Grube Emma bei Lützkendorf

Bildquelle: Imagemappe I.G. Farben 1928