Zuckerrübe

Zuckerrübe

Bildquelle: Handbuch der Zuckerrübe, Roemer, Verlag P. Parey Berlin 1927

Der Weg zur Zuckerrübe

Im Jahr 1747 trug Andreas Sigismund Marggraf der Berliner Akademie der Wissenschaften seine Erkenntnis über den nachgewiesenen Zucker in Runkelrüben vor. Da es sich jedoch um maximal 1,6% Zucker in der Rübe handelte, wurde diesen Erkenntnissen keine weitere Beachtung geschenkt. So schlummerte diese Erkenntnis fast ein halbes Jahrhundert, bis sein Schüler Franz Karl Achard im Jahre 1786 wieder Versuche auf dem Gut Caulsdorf aufnahm. Seine Versuche und Forschungen verliefen glücklich, so dass er am 11. Januar 1799 König Friedrich Wilhelm III. von Preussen die Ergebnisse seiner Untersuchungen und die ersten 10 Pfund Rübenzucker überreichen konnte. Gleichzeitig bat Achard den König, ihm ein "Privilegium exklusivum" für die inländische Zuckerfabrikation auf 10 Jahre zu verleihen, und ihm ein Gut von hinreichendem Umfang und geeigneter Bodenbeschaffenheit zur Durchführung seiner Unternehmungen zu schenken. Dies wurde jedoch nicht mit einer Schenkung, sondern mit einem Darlehen über 50.000 Talern entsprochen. 1802 kaufte Achard das Gut Cunern von Graf Maximilian von Pückler und errichtete die erste Rübenzuckerfabrik in Schlesien. Im Folgejahr konnte er Rübenzucker liefern.
Dies war ein Wendepunkt in der Landwirtschaft, im Handel mit Rohrzucker (Kolonialware) und erster Schritt in das bevorstehende Maschinenzeitalter. Achard musste sich für die Verarbeitung der Rüben neue Prozesse ausdenken, die Wegbereiter auch für spätere Industrien sein sollten. So kamen erste einfache Erkenntnisse über Extraktion, Filtration, Verdampfung, Kristallisation, Zentrifugentechnik, Trocknung und mehrfacher Abdampfverwertung zustande.
Die Tragweite der neuen Entwicklungen in Deutschland erkannten auch englische Rohrzuckerfabrikanten. So boten sie Achard anonym im Jahr 1805 eine Summe von 50.000 Talern und erhöhten das Angebot im Jahr 1807 auf 200.000 Taler, wenn er seine Versuche einstelle. Weiterhin solle er eine Schrift heraus bringen, worin er eingesteht, dass er sich geirrt habe und sein Enthusiasmus für die Rübenzuckerfabrikation Fehlinterpretationen der Erkenntnisse verursachte. Dies lehnte Achard ab.

Franz Carl Achard (1753-1821)

Franz Carl Achard (1753-1821)

Vom Weißen zum Braunen Gold

Erste Schritte im Geiseltal

Schloss Bedra

Schloss Bedra

Bildquelle: Digitale Sammlung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin/ Sammlung Alexander Duncker

Innenansicht einer Zuckersiederei Anfang des 19. Jahrhundert

Innenansicht einer Zuckersiederei Anfang des 19. Jahrhundert

Bildquelle: R. Bridgens (British Library) 1987, 164

Die ersten Schritte in Richtung Industriealisierung des Geiseltals, begannen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert. So entstand 1830, auf Betreiben Heinrich Ferdinand von Helldorff, eine Zuckersiederei mit angeschlossener Brennerei im damaligen Bedra (heutigen Braunsbedra), die angebauten Zuckerrüben von den umliegenden Feldern Helldorff's verarbeitete. Der Energiebedarf wurde aus der 1832, ebenfalls von Heinrich Ferdinand von Helldorff, eröffneten Kohlengrube bei Petzkendorf (überbaggert) gedeckt. Auf Grund eines unwirtschaftlichen Verarbeitungsprozesses wurde diese Siederei jedoch wieder geschlossen. Heute befinden sich die Geschäftsräume der Firma Gebr. Gallas auf dem Gehöft
1856 entsteht die Zuckerfabrik Körbisdorf. Acht Jahre später 1864 errichtet man in Stöbnitz eine weitere Zuckerfabrik. Auch hier war derer von Helldorff Gründer und Wegbereiter. Die Kohle für die Fabrik kam von der angrenzenden Grube Pauline die seit 1845 betrieben wurde und die den Namen der in jungen Jahren verstorbenen Tochter Karl von Helldorff's trug.

Pauline Emilie Henriette von Helldorff

Pauline Emilie Henriette von Helldorff

geb.: 8.AUG 1844 - gest.:26. AUG 1860

Braunkohlen und Zückerrüben

Braunkohlen und Zückerrüben

Poststempel 15.8.1940

Es bildete sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts eine immer größer werdende Zuckerindustrie heraus. Ihr Bedarf an Kohle, als günstiges Heizmaterial, wuchs ständig. Man kann sagen, die verarbeitende Zuckerindustrie war die Amme des werdenden Kohlebergbaues. Nicht nur, dass sich im Geiseltal feste Abnehmerstrukturen für Kohle heraus bildeten, auch entwickelte sich weitere Infrastruktur. Der Kohleabbau löste eine große Nachfrage an Arbeitskräften, Zuliefer- und Handwerksbetriebe aus. So entstanden z.B. Ziegeleien, die die tonhaltigen Erden des Deckgebirges über der Kohle zu Ziegeln verarbeiteten und sie wieder an die Fabriken verkauften.

AK Zuckerfabrik Stöbnitz

AK Zuckerfabrik Stöbnitz

Im oberen linken Bildbereich befindet sich die Grube Pauline, die ca. 65% ihrer Jahreskapazität an Kohle der Zuckerfabrik Stöbnitz lieferte.

Die Symbiose zwischen verarbeitender Zuckerindustrie und Kohlegruben im Geiseltal fing an Früchte zu tragen. Kohlegruben konnten nun teilweise halbe oder volle Jahresförderungen an die Zuckerfabriken verkaufen. Ein Abbau über das ganze Jahr war gegeben, da die Eigentümer nicht mehr nur für Ihre privaten Zwecke und den Hausbrand der Orte abbauten.
1877 baute man eine befestigte Straßenverbindung Mücheln- Merseburg. Diese eröffnete zwar neue Transportwege und damit neue Absatzgebiete, aber war das Automobil noch nicht erfunden. Pferdefuhrwerke waren Stand der Dinge und übernahmen die Transportaufgaben. Dieser Zustand wurde erst 9 Jahre später durch die Eröffnung der Bahnstrecke Mücheln - Merseburg behoben. Dieses Verdienst ist der Zuckerfabrik Stöbnitz und Ihren Gesellschaftern zu verdanken. So kaufte die Zuckerfabrik das benötigte Land von 26 Hektar für 156.000 RM und beteiligte sich weiterhin mit einer Summe von 257.545 RM am Bau dieser Strecke.
Diese Bahnstrecke war von ausschlaggebender Bedeutung für die weitere Entwicklung des Geiseltals, den erst jetzt war der Weg zur Expansion der Kohlegruben und Zuckerfabriken gegeben.

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