Wintershall- vom Salz zum Öl

Carl Julius Winter/ Heinrich Grimberg

Carl Julius Winter/ Heinrich Grimberg

Die Wintershall wurde am 13. Februar 1894 in Bochum gegründet. Gründer dieser Bohrgesellschaft für Kalisalze waren der Maschinenfabrikant und Bohrunternehmer Carl Julius Winter aus Kamen und der Bochumer Industrielle Heinrich Grimberg. Im Jahre 1898 verpflichtete man den jungen 28- jährigen August Rosterg als Bohringenieur für den Schacht Heringen. Aus der Bohrgesellschaft wurde 1899 die bergrechtliche Gewerkschaft "Wintershall" (bergm. Gewerkschaft=frühe Form einer Aktiengesellschaft im Bergbau). Als man im Jahre 1900 den Schacht Grimberg im Werratal aufschloss, stand man vor großen Herausforderungen im Bezug auf Trockenlegung des Schachtes. Rosterg schaffte es durch Innovationen (Tomson'schen Wasserziehmethode) und einem gewissen Maß an Risiko diesen Schacht für damalige Zeit relativ schnell aufzuschließen.

Abteufmannschaft Schacht Grimberg 1900

Abteufmannschaft Schacht Grimberg 1900

linke Seite sitzend A.Rosterg

Nun konnte Wintershall qualitativ hochwertiges Salz zu günstigen Preisen anbieten. Gleichzeitig baute Wintershall eine Kaliumchlorid und Sulfatfabrik die aus dem Rohsalz hochwertiges Düngesalz produzierte. 1921 firmierte sich, neben der Gewerkschaft Wintershall, die Kali Industrie AG die wiederum 1930 in Wintershall AG umbenannt wurde. In den folgenden Jahren versuchte Wintershall durch Übernahmen von Schächten und bergm. Gewerkschaften sich zu positionieren. Dabei half Günther Quandt (Tuchfabrikant und erster Mann Magda Goebbels), der 1922 bei Wintershall einstieg. Zusammen rationalisierte man und schloss unrentable Schächte. Aus dem Mitte der 20-er Jahre stattfindenden Konzentrationsprozess in der Kali- Industrie ging Wintershall neben Salzdetfurth und Burbach als Einer der drei Großen hervor. 1925 nahm die Gewerkschaft Wintershall ihr bis dahin weltgrößtes Kaliwerk bei Merkers in Betrieb.

Firmenzeichen in den 30-er Jahren

Firmenzeichen in den 30-er Jahren

Bildarchiv: www.dasgeiseltal.de

Als im Jahr 1930 eine Schlagwetter Explosion in dem Schacht Volkenroda Öl zu Tage brachte, war dies ein Wendepunkt im Unternehmen Wintershall. Nicht nur das man Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Gas, Erdöl und Salz in der Erde erlangte, vielmehr stand die Überlegung an hier ein zweites Standbein für Wintershall auf zu bauen. Die einsetzende Motorisierung benötigte immer mehr fertige Ölprodukte und so wurde aus dem einstigen Kalisalzproduzenten ein Mischkonzern. Volkenroda versiegte nach zwei Jahren. Jedoch hatte man bereits mit der Gewerkschaft Elwerath weitere Suchbohrungen vorgenommen und erschloss das Erdölfeld bei Nienhagen.

Raffinerie Salzbergen

Raffinerie Salzbergen

1931 pachtete die Wintershall die Raffinerie in Salzbergen von der Nordöl AG. Als 1933 die Nordöl AG in Konkurs ging, erwarb Wintershall die Raffinerie. Mit den Vorkommen in Volkenroda, die 1931 25% der in Deutschland geförderten Menge betrug, und der Raffinerie in Salzbergen stieg nun Wintershall ins Ölgeschäft mit ein. Wintershall mauserte sich zum zweit größten Chemiekonzern hinter der I.G. Farben.

NITAG Tankanlage in Wilhelmshaven

NITAG Tankanlage in Wilhelmshaven



Gebrausanweisung für Treibgasfahrzeuge NITAG

Gebrausanweisung für Treibgasfahrzeuge NITAG

Bildarchiv: www.dasgeiseltal.de

Im Jahre 1934 übernahm die Wintershall die Napthaindustrie und Tankanlagen AG Berlin(NITAG). Diese firmierte sie zu Ihrer Hauptvertriebsorganisation um. Weitere Vertriebsorganisationen der Wintershall waren MIHAG, Wiesöl und Wintershall Mineralöl GmbH.
Am 26.März 1936 wird die Mitteldeutsche Treibstoff und Ölewerke AG Kassel gegründet. Dies war das Resultat der vom Deutschen Reich angestrebten und vorgegebenen Ölautarkie. Wintershall konzentrierte sich nun auf die Kohlehydrierung und das daraus gewonnene Synthetische Benzin. Der Bau eines neuen Standortes im Geiseltaler Kohlebecken wurde in Angriff genommen. Von 1936 bis 1940 wurde das Treibstoffwerk Lützkendorf in Betrieb genommen. Produziert wurden verschiedene Ölfertig- und Halbprodukte, sowie Diesel als anfallendes Nebenprodukt.

5% Teilschuldverschreibung über 1000,-RM

5% Teilschuldverschreibung über 1000,-RM

Bildarchiv: www.dasgeiseltal.de

Um Ihre Unternehmungen bzw. den Umbau des Treibstoffwerkes Lützkendorf zu finanzieren, wurde im März 1940 eine 5% Anleihe über 50 Millionen RM bei der Dresdner Bank ausgegeben. In 8 der Anleihebedingungen ist verankert, dass das Treibstoffwerk Lützkendorf zur Mithaft an erster Stelle eingetragen wird.
In den 40-er Jahren war Wintershall Mitbegründer der Karpaten Öl AG und der Kontinentale Öl AG, die die Aufgabe hatte in den besetzten Gebieten Öl zu fördern. 1944/ 45 wurden die Raffinerie Salzbergen und das Treibstoffwerk Lützkendorf völlig zerstört. In Merkers wird man zum Kriegsende große Gold- und Devisenbestände der Reichsbank finden, die dort vor den Alliierten ausgelagert wurden.

Verwendete Literatur:
-Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859-1974. Verlag C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50276-8
-Titus Kockel: Deutsche Ölpolitik 1928-1938. Akademie-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-05-004071-8
-http://www.widdershausen.de/die_anfange.html

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