Sonntag der 8.April 1945

Das Finale Ende für das Treibstoffwerk Lützkendorf erfolgte in der Nacht vom 8. zum 9. April 1945. Das Leuna- Werk der I.G. Farben stand bereits seit dem Nachtangriff vom 4. zum 5. April 1945 still. 231 Lancaster Bomber folgten den 11 De Havilland Mosquito Jagdbombern, die die Aufgabe hatten das Ziel durch Ziel- Maker- Bomben in der dunklen Nacht zu beleuchten. Es herrschte leicht trübes Wetter aber die Sicht war ausreichend und wolkenlos.

Vorbereitung für den Einsatz

Vorbereitung für den Einsatz

Bildquelle: Australien War Memorial SUK12154

Bereits seit dem Vormittag war das Bodenpersonal des 467. Squadron RAAF des Bomber Command der RAF in Waddington, mit der Bestückung der einzelnen Maschinen beschäftigt. Es herrschte hektisches Treiben, da der stellvertretende Premierminister Australiens und Minister für Armee und Verteidigung, Herr Francis Michael Forde, auf dem Stützpunkt anwesend war.
Der Nachtangriff vom 4. zum 5. April 1945 konnte das Treibstoffwerk Lützkendorf nicht außer Gefecht setzen. Nun versuchte man es erneut.

F.M. Forde

F.M. Forde

08.04.1945 Der stellvertretende Premierminister von Australien und Minister für Armee u. Verteidigung, Herr F.M. Forde, richtet noch einige Worte an die Besatzungen des Squadron No. 467 RAAF der RAF in Waddington, vor dem Abflug zum Treibstoffwerk Lützkendorf. Hinter Hr. Forde ist der Assistent u. Sekretär of Departement für Verteidigung, Herrn P.E. Colman, zu sehen. Bildquelle: Australien War Memorial UK2728


Start in Waddington Richtung Lützkendorf

Start in Waddington Richtung Lützkendorf

Bildquelle: Australien War Memorial UK2724

Zwischen 18:00 Uhr und 19:00 Uhr starten die einzelnen Squadrone von ihren englischen Flugplätzen. Zu den Squadronen die an diesem Angriff teilnahmen konnten bis jetzt folgende ermittelt werden:
- Squadron No. 9 RAF (Royal Air Force)
- Squadron No. 49 RAF
- Squadron No. 61 RAF
- Squadron No. 106 RAF
- Squadron No. 463 RAAF (Royal Australien Air Force)
- Squadron No. 467 RAAF

Das Squadron No. 9 war eines von zwei Squadronen der RAF zum Abwurf von Spezialbomben. Zusammen mit dem Squadron No. 617 versenkte man z.B. am 12.11.1944 das Schlachtschiff "Tirpitz". In der Nacht vom 8. zum 9. April 1945 entsandte Squadron No. 9 insgesamt 18 Avo Lancaster ausgerüstet mit 18 Tallboy- Spezialbomben. Von 22:40 Uhr bis 22:57 Uhr fallen 17 Tallboys (6t- bunkerbrechende Spezialbombe) auf das Treibstoffwerk. Eine Maschine drehte auf Grund von Triebwerksproblemen bereits 21:15 Uhr ab und klinkt seine Last bei Cochem aus. Die Bomben rasen, mit ihrem Gewicht von 6t, in annähender Überschallgeschwindigkeit auf den Boden zu. Als sie sich mit ihrer gehärteten Stahlspitze bis zu 30m in den Boden bohren, kommt es auf Grund der Verdichtung der Erdmassen, zu einem hellen roten Blitz (Piezoelektrischer Effekt).

Ausgestattet mit Zeitzündern explodierten diese erst nach 30- 60 Minuten nach Angriffsende. Zeitzünder waren eine von beiden Seiten eingesetzte Taktik. Sie sollten die Bergungs- und Löscharbeiten behindern. Bei diesen Spezialbomben kam außerdem der Aspekt der Sicht hinzu. So entstand bei der Explosion von 2,4t Torpex eine enorme Staubwolke, was wiederum nachfolgenden Flugzeugen die Sicht auf das Ziel genommen hätte. Bei dem Angriff verlor das Squadron No. 9 eine Lancaster mit der Nummer NG 235, die kurz nach dem ausklinken ihrer Fracht von einer Flak- Granate getroffen wurde. Das Flugzeug stürzte bei Kapellendorf östlich von Weimar ab. Einziger Überlebender war der Heckschütze Sgt. E. Williams, der sich aus der abstürzenden Maschine per Fallschirm rettete.

Einsatzbuch des 9. Squadron der RAF mit Angaben zur Besatzung, Bombardierung und Bombenlast.


Lützkendorf während des Angriffes am 8.4.1945

Lützkendorf während des Angriffes am 8.4.1945

Bildquelle:www.footnote.de



In den Morgenstunden des 9. April 1945 in Lincolnshire/ England. Der stellvertretende Premierminister Australiens und Minister für Verteidigung, Herr F.M. Forde, mit zwei Piloten des 467. Squadron der RAAF im Gepräch kurz nach der Rückkehr aus dem schweren Angriff auf das Treibstoffwerk Lützkendorf/ Deutschland. Bildquelle: Australien War Memorial UK2726


Bau 134

Bau 134

Volltreffer Mannschaftsbunker westliches Tanklager im Treibstoffwerk Lützkendorf

Der Gesamtverlust der RAF betrug bei diesem Angriff 6 Lancaster- Bomber. Das Treibstoffwerk Lützkendorf war nach dieser Nacht total zerstört. In den Schadensmeldungen zu den einzelnen Betrieben und Abteilungen, werden nur noch Inventargegenstände wie Stühle, Tische und Kleinteile erwähnt. Die Gesamtschadensmeldung endet mit dem Satz:"...Nähere Einzelheiten können infolge des großen Umfang der Schäden nicht mehr gemacht werden!" In einem weiteren Schadensbericht vom 11.4.1945 schreibt Dr. Neumann:"...Rohrkanäle, Rohrbrücken, Splitterschutzmauern haben überall noch nie dagewesene sehr starke Beschädigungen und Zerstörungen aufzuweisen!..."
Am Donnerstag den 12. April 1945 rücken amerikanische Truppen der 69th Infantry Division, aus Schafstädt kommend, in das Geiseltal vor. Sie treffen in Schortau/ Gröst auf größeren Wiederstand der Flak. Die darauf angeforderte Luftunterstützung durch eine P- 47 Thunderbold verwechselt Leiha mit Laucha und bombardiert den Markt der schon in amerikanischen Händen sich befindenden Stadt Laucha. Am 14. April 1945 wird auch Merseburg, nach heftigem Abwehrfeuer aus der Flak- Stellung Elisabeth- Höhe gegenüber den heranrückenden amerikanischen Einheiten aus Bad Lauchstädt, eingenommen.

Schützenhausplatz Mücheln
Bildquelle: Jed Henry, Middleton Wisconsin USA (Tec 5 Tony Mandrino, Tec 5 Harry Kelly, PFC James Parente)


Kopfstück einer Tallboy- Bombe

Kopfstück einer Tallboy- Bombe

Bildarchiv:www.dasgeiseltal.de

Weiterhin stellt die 8. US Air Force am 12. April 1945, auf Grund fehlender Ziele, ihre am 12. Mai 1944 begonnene Treibstoffoffensive ein. Das Treibstoffwerk Lützkendorf der Wintershall A.G. war somit das letzte Ziel dieser Luftoffensive. Heute erinnert nur noch ein in den Trümmern des Werkes gefundenes originales Kopfstück einer Tallboy- Bombe an diese besagte Nacht. Mehrfach versetzt, steht es heute gegenüber der "Alten Verwaltung" in Krumpa und mahnt zum Frieden.