Wintershall A.G. Werk Lützkendorf

Blick auf das Werk der Wintershall A.G.

Blick auf das Werk der Wintershall A.G.

Bildarchiv: Stadtarchiv Mücheln

Die Wintershall A.G. hatte sich bereits in den Jahren 1933/34 für eine Fischer-Tropsch-Syntheseanlage interessiert und gemeinsam mit den Glöckner-Werken bei der Gewerkschaft "Viktor" in Castrop-Rauxel eine Anlage zur Erzeugung synthetischen Benzins auf Steinkohlenbasis errichtet. Da die Wintershall alte Geschäftsbeziehungen zu den Anhaltinische Kohlewerken hatte, war es nicht schwer, mit diesen Werken Kohlelieferungsverträge abzuschließen und die Geiseltal-Kohle zur Erzeugung synthetischen Benzins heranzuziehen. Am 25. März 1936 wird die Mitteldeutsche Treibstoff- und Ölwerke A.G. gegründet. Eingetragen wird sie am 24. April 1936 im Handelsregister am Amtsgericht Kassel/ Abt. B/ Nr. 878. Der Aufbau des Werkes beginnt am 26. Oktober 1936, sieben Tage nachdem Hitler (18. Oktober 1936) die Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplan erließ. Die Syntheseanlage war zunächst als eine Versuchsanlage mit einer Kapazität von etwa 25.000 Jato Benzin konzipiert. Den Ausschlag für die Standortwahl im Geiseltal war das alte vorhandene Werksgelände der Kursächsischen Gas und Kraft G.M.B.H. mit Gleisanschluss und Kohlebandbrücke von der Brikettfabrik Cecilie auf das Werksgelände Kursachsens, sowie die Größe des Braunkohlenvorkommens und der geringe Gestehungspreis der Kohle. Die Inbetriebnahme erfolgte im Herbst 1938. Kennzeichnend für diese Anlage war die unmittelbare Vergasung der Rohbraunkohle, ohne vorherige Brikettierung, nach dem Schmalfeldt-Verfahrung. Im Rahmen der Autarkiebestrebungen des "Dritten Reiches" wurde die Fischer-Tropsch- Syntheseanlage wiederholt erweitert, mit dem Ziel, sie auf eine Leistung von 75.000 Jato zu bringen. Im Mai 1937 beginnt nördlich der Syntheseanlage der Bau der Katorfabrik. Diese Fabrik war ein Joint Venture mit der Ruhrchemie A.G. Oberhausen-Holten und hatte ihren offiziellen Sitz in Mücheln. Rein rechtlich ein selbstständiges Unternehmen, hatte die Katorfabrik ihre Aufgabe in der Herstellung der benötigten Prozesskatalysatoren für die Fischer-Tropsch-Synthese.

Bereits seit langer Zeit bestand bei der Wintershall A.G. auch die Absicht, eine moderne Schmierölfabrik zu bauen, da die schon bestehende Anlage in Salzbergen das gesamte in den Bohrungen der Wintershall A.G. anfallende Rohöl nicht mehr verarbeiten konnte. Man entschloss sich daher, die Schmierölanlage mit einer nachgeschalteten Hydrieranlage (Bergius-Pier-Verfahren) zu kombinieren und diese ebenfalls auf das neu zu errichtende Werk in Lützkendorf anzusiedeln. Ihre Inbetriebnahme erfolgte in den Jahren 1939 und 1941. Der Abschluss des Gesamtaufbau des Werkes war im Frühjahr 1944 erreicht.

Betriebsteile des Werkes Lützkendorf

Die 3 Anlagen der Wintershall A.G. im Werk Lützkendorf

1. Fischer- Tropsch- Anlage zur Gewinnung von Treibgas und Benzin aus Braunkohle

2. Erdöldestillation und Schmierölfabrik zur Verarbeitung von geförderten Rohöl aus den Feldern bei Nienhagen und Zistersdorf

3. Hydrierung von im Prozess angefallenen Nebenprodukten zu Benzin