Buna- Werke G.M.B.H. Schkopau

Buna- Werke G.M.B.H. Schkopau

Buna Werke G.M.B.H. Schkopau

Buna Werke G.M.B.H. Schkopau

Bildquelle: SCI E.V.

Der Bau des ersten deutschen Buna Werkes in Schkopau, war das Resultat der Autarkiebestrebungen des 3. Reiches. Mit diesem Werk verband man nicht nur die Hoffnung, wie auch bei anderen Syntheseindustriezweigen, sich unabhängig von Importen zu machen und somit Devisen zu sparen, sondern auch politisch in Europa sich in eine bessere Ausgangsposition zu begeben.

Dr. Fritz Hofmann

Dr. Fritz Hofmann

Die Anfänge des deutschen Synthesekautschuks reichen bis in die Jahre um 1910 zurück. Mit der Patentanmeldung von Dr. Fritz Hofmann, einen leitenden Chemiker der Friedrich Bayer & Co., im Jahre 1909 war ein erster Schritt getan. Jedoch erwies sich dieses Verfahren in der Folgezeit als zu kostenintensiv und man schwenkte auf ein anderes Verfahren um. Mit dem Ersten Weltkrieg und der von England verübten Seeblockade, gelangte kein Naturkautschuk mehr nach Deutschland. Aus der Not heraus baute man in Leverkusen (Bayer) 1916 eine Anlage zur Erzeugung von 1000 Jato (Tonnen pro Jahr). Diese Anlage lieferte bis Kriegsende 1918 ca. 2500 Jato. Dieser Synthesekautschuk konnte aber nur begrenzt, auf Grund seiner mäßigen Qualität, eingesetzt werden. Im August 1917 kam es zu einer Aussprache im Reichskriegsministerium. Als Ergebnis unterzeichneten beide Parteien einen Vertrag am 9.September 1918 und Bayer begann mit der Planung einer Fabrik bei Worringen (Köln) zur Herstellung von 1800 Jato Methylkautschuk. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, am 11. November 1918, war jedoch dieser Vertrag hinfällig und die Planungen wurden am 18. November 1918 eingestellt. So auch die weitere Forschung.

Erst im Mai 1926, inzwischen war die IG Farben gegründet wurden, beschloss man die Forschung wieder aufzunehmen. Die große Nachfrage einer sich motorisierenden Gesellschaft und die besseren Herstellungsverfahren von Vorprodukten liesen vermutlich diese Überlegungen wieder zu. Auch erkannte man wahrscheinlich das Potenzial, dass man durch einen künstlich erzeugten Kautschuk viel besser auf Eigenschaften die der Markt verlangt eingehen kann. Die IG Farben - als Zusammenschluss - verfügte somit nicht nur über genügend Grundlagenforschung, sondern war somit auch kapitalmäßig im Stande die kostspieligen Forschung weiter zu betreiben. Im Oktober des gleichen Jahres gründet sich die Kautschuk Kommission der IG Farben. In den Jahren 1926 bis 1930 forschte man an den grundlegenden Verfahrenstechniken auf denen später das Erste Deutsche Buna Werk aufgebaut wurde. Hier erfolgten Patentanmeldungen, die zu dem späteren sogenannten "Buchstaben- Buna" (Buna N, Buna S) führen sollten. Am 5. Juli 1930 wird "BUNA" als Warenzeichen der IG Farben eingetragen.

Im Jahre 1930 war jedoch die Weltwirtschaftskrise in Deutschland angekommen und die IG Farben stellte die weiteren Forschungen ein, da sie bereits mit der Treibstoffsynthese ein kostspieligen Klotz am Bein hatte und es einen dramatischen Preisverfall nicht nur bei Benzin, sondern auch bei Naturkautschuk kam und die Märkte überschwemmt wurden. Ein kleiner Teil beschäftigte sich jedoch mit der Grundlagenforschung weiter und so kam es, dass in der Zeit mit "Buna N" zum ersten Mal ein Produkt gefunden wurde, der dem Naturkautschuk in einigen Eigenschaften überlegen war. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Zusammenarbeit intensiviert und die Forschungsarbeit im vollen Umfang wieder aufgenommen.

Im Herbst 1934 verkündeten staatliche Stellen, dass die Frage des Synthesekautschukes gelöst wäre und drängten auf eine großtechnische Versuchsanlage. Zuerst wehrte sich die IG Farben gegen diese Anlage, da sie die großtechnische Reife noch nicht sah. Da der Druck jedoch immer größer wurde und man Angst hatte dieses Projekt aus den Händen geben zu müssen, willigte man letztendlich ein. Nach mehrfachen Querelen über die Standortfrage wurde am 25. April 1936 der Grundstein für diese Großtechnische Versuchsanlage, mit den Namen "Ammoniakwerke Merseburg G.M.B.H., Werk Schkopau", gelegt.

Bau 18 und Bau 30 im Rohbau 3.12.1936

Bau 18 und Bau 30 im Rohbau 3.12.1936

Bildquelle: SCI E.V.

Erste Buna S Produktion 25.2.1937

Erste Buna S Produktion 25.2.1937

Bildquelle: SCI E.V.

Bereits in der Aufbauphase wurde, von Seiten staatlicher Stellen, die Erwartungen an die Produktion immer wieder verändert. So wurde die ursprüngliche Konzeption von 2400 Jato, am 10.7.1936 auf 12000 Jato und am 2.10.1936 auf schließlich 24000 Jato verzehnfacht. Zwischenzeitlich wurde am 15. Februar 1937 die Buna - Werke G.M.B.H. gegründet die eine Tochter der Ammoniakwerke Merseburg war und sich um die spätere Produktion kümmern sollte. Am 24. März 1937 verließ der erste Güterzug das Werk Schkopau mit Synthesekautschuk. Zur letztendlichen Übergabe an den zukünftige Direktor des Werkes Dr. Wulf, kam es am 29. April 1939 durch Dr. Ambros bei einer stattfindenden Werksfeier. Dabei sollen von Dr. Ambros folgende Worte geäußert wurden sein:
"Es war uns eine besondere Freude, zum 50. Geburtstag mit unseren Glückwünschen dem Führer zu melden, dass in Schkopau die Großproduktion an Buna eingesetzt hat."
Die positive Entwicklung der Versuchsanlage und die Reifentest der Wehrmacht, die ebenfalls Ende 1936 - Anfang 1937 zum Abschluß kamen, überzeugten die IG Farben und ließ auch den letzten Wiederstand die Großproduktion aufzunehmen verstummen. Es folgten Buna II in Hüls, Buna III in Rattwitz bei Breslau (Unvollendet!) und Buna IV in Auschwitz/ Monowitz (Nicht in Betrieb gegangen!).

Aufbau der Calciumkarbitfabrik 1937

Aufbau der Calciumkarbitfabrik 1937

Bildquelle: SCI E.V.

Bis zum Jahre 1944 baute man die Produktionskapazitäten des Werkes Schkopau immer weiter aus, so dass der Gesamtausstoss bei ca. 70000 Jato lag. Mit der beginnenden Treibstoffoffensive der 8. US Air Force, im Mai 1944, rückte das Geiseltal mit seinen und angrenzenden Chemiestandorten ins Zentrum der Angriffe. Das Buna Werk in Schkopau war jedoch zu keiner Zeit primäres Angriffsziel und wurde bis zu Kriegsende nur sekundär angeflogen und bombardiert. Am 14. April 1945 erreichten US Infanterie Truppen, aus Richtung Bad Lauchstädt kommend, das Werk. Der Krieg war vorbei. Bei Ihrem Rückzug aus der zukünftigen SBZ nahmen sie sowohl Patente als auch 25 leitende Angestellte des Werkes mit.

Zerstörtes Wasserwerk der Buna- Werke 1945

Zerstörtes Wasserwerk der Buna- Werke 1945

Bildquelle: SCI E.V.