Ammoniakwerk Merseburg G.M.B.H. Leuna

Ammoniakwerk Merseburg G.M.B.H. Leuna

Beginn der Alliierten Treibstoffoffensive
Die Ausschaltung des Ammoniakwerkes Merseburg war das primäre Hauptziel der Alliierten Treibstoffoffensive. Mit seiner Kapazität von 300.000 t Primärprodukten war es nicht nur das bedeutenste Werk der deutschen Treibstoffproduktion, gleichzeitig fungierde Leuna auch als Haupt- und Leitwerk für die anderen Werke.
Am 12.Mai 1944 flog die gesamte 1st Air Division der 8. US Air Force auf ihre zugewiesenen Ziele Leuna und Lützkendorf zu. Über dem Rhein- Main Gebiet werden die Bomber Pulks von mehrer deutschen Jagdgeschwadern attackiert. Ebenso auf dem darauf folgenden späteren Rückflug. In einer Dokumentation von Martin Papst (Die Angriffe auf Leuna und Merseburg am Ende des II. Weltkrieges), liest man auf S. 21, dass für die Flakstellungen um Merseburg 12:25 Uhr der Befehl "Feuerbereitschaft!" ausgerufen wurde. Eine Stunde später gab es in Merseburg "Fliegeralarm!"(13:20- 13:30 Uhr).

Route Map 12.5.1944

Route Map 12.5.1944

Bildquelle : National Archiv NARA

Flak-Koordinatenkarte

Flak-Koordinatenkarte

Meldungen der Flakstellung 132 Bad Dürrenberg/ Goddula am 12.5.1944

13:38 Feindmeldung bei Jena
13:48 Richtung 7 Feindverbände
13:52 Gruppe eröffnet das Feuer
13:54 Richtung 6 neuer Verband
13:54 Bomben auf Leuna
13:58 Maschinen werfen Bomben
14:00 Richtung 9 neuer Verband
14:04 Richtung 6 neuer Verband
14:05 Richtung 8 neuer Verband
14:10 Große Brände im Werk, Neuer Verband Richtung 5, Anflug aus Richtung 3 nach 8, Mehrere Verbände in Richung 4 bis 8, Neuer Verband Richtung 5, Neue Verbände Richtung 3, Neuer Verband Richtung 5 bis 8 (Liberator)
(M.Papst)

Davongekommen!

Davongekommen!

Peter Schunck, ibidem Verlag Stuttgart 2006

Für die Flakstellungen um die Chemiewerke trat der Ernstfall ein. Peter Schunck schreibt zu den Angriff am 12. Mai 1944 in seinem Buch "Davongekommen!"

"...Um es vorwegzunehmen: In Stellung 108 wurde der Ernstfall zum Fiasko. Obwohl die Geschwader optisch erfaßt werden konnten, weil die Gegend noch nicht vernebelt war, und daher die besten Bedingungen für die Flugabwehr bestanden, luden die Amerikaner ihre Bomben unbehelligt ab, zum größten Teil allerdings auf die Felder in der Landschaft. Nur etwa fünf Prozent der Abwürfe trafen die Leunawerke, wie mir mein Vater später verriet, der eine Karte der Einschläge erhalten hatte. Kein Flugzeug fiel herunter, nicht einmal durch Motorschaden. Dagegen verstummte eine der Kanonen in Stellung 108 nach der anderen wegen Ladehemmung, bis schließlich alle sechs schwiegen. Ich hörte Jakob im Kommandostand toben, doch dadurch gelang es ihm auch nicht, die Ladehemmung zu beheben.
Zur Strafe für das unprofessionelle Verhalten verhängte Jakob über seine Batterie eine Urlaubssperre, die in erster Linie uns Flakhelfer traf, die normalerweise öfter Gelegenheit bekamen, zu ihren nahe wohnenden Eltern zu fahren. Erst als Jakob die Sperre bald danach wieder aufhob, konnte ich in die Siedlung fahren und mir ansehen, was die Amerikaner angerichtet hatten.
Zu meiner und nicht nur meiner Verwunderung waren die Schäden im Werk und in der Siedlung nicht allzu groß; die Bomber hatten ihre Fracht weit verstreut abgeladen. Aber die Verluste unter den Bewohner fielen größer aus, als bei den geringen Zerstörungen zu vermuten gewesen wäre. Die Bevölkerung hatte offenbar nicht mit einem Angriff gerechnet und war in der Mehrzahl zu Hause geblieben, weil sie auf die schon im Frieden und erst recht im Krieg immer wieder eingeübten Luftschutzmaßnahmen vertraut hatte..."
Peter Schunck "Davongekommen!", ibidem Verlag Stuttgart 2006, S.54-55

12. Mai 1944 Ammoniakwerk Merseburg

12. Mai 1944 Ammoniakwerk Merseburg

Bildquelle: www.303rdbg.com (Peter M. Curry)

Der Bombenlauf für die erste Welle begann ca. 13:48 Uhr bei wolkenlosen Himmel und leichten Bodendunst. Nach späteren Aussagen einiger Bomberpiloten gingen die ersten Bomben in der Werksmitte nieder, woraus sich Brände mit starker Rauchentwicklung bildeten. Dies könnte eine Ursache dafür gewesen sein, das nachfolgende Verbände ihre Last hauptsächlich im nord/ westlichen Teil des Werkes abwarfen. Von den 6509 abgeworfenen Bomben, laut US Strategic Bombing Survey - E175, gingen ca. 1500 im Werksgelände nieder. Dies entspricht 23% der abgeworfenen Tonage und bestätigt die Aussagen P. Schunck, das der größte Teil der Bomben auf die umliegenden Felder verstreut nieder ging. Jedoch waren die Schäden, entgegen der Aussage, beträchtlich. Insgesammt belief sich die Zerstörung am Ammoniakwerk Merseburg auf 45.800.000 RM, wobei 10.840.000 RM auf Gebäudeschäden und 34.960.000 RM auf Produkte/ Equipment entfielen. Die entstandenen Brände wurden durch hinzuziehen von weiteren Feuerwehreinheiten aus Merseburg, Halle und Leipzig bis in die späten Abendstunden gelöscht.
Die Angriffe am 12. Mai 1944 kostete in Leuna ca. 150 Menschen (Davon ca. 88 Werksangehörige laut Werksangaben - 126 laut späteren US Strategic Bombing Survey Bericht/ 1947) das Leben. Der Überraschungseffekt und der Irrglaube der Bevölkerung, es handele sich um ein Überflug zu einem weit aus bedeutenderen Ziel, trug sicher zu dieser hohen Zahl an Menschenleben bei.
Am 13. Mai (laut Speers Buch "Erinnerungen") bzw. am 16. Mai 1944 (laut Birkenfeld "Sitzungsprotokoll Leuna") besuchte Rüstungsminister Speer die angegriffenen Launawerke, um sich vor Ort ein Bild der Zerstörung zu machen. Danach reiste Speer am 19. Mai 1944 weiter auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden, um an einer Besprechung bei Hitler über Gegenmaßnahmen teilzunehmen.