Samstag der 29.Juli 1944

Samstag der 29.Juli 1944

Ammoniakwerk Merseburg

96th BG über Leuna 29.7.1944

96th BG über Leuna 29.7.1944

Bildquelle: www.fold3.com

Es waren am Vortag noch nicht alle Maschinen gelandet, als die Fernschreiber der einzelnen Bomber Group's anfingen zu arbeiten, um erneut das Ammoniakwerk Merseburg als das Hauptziel für den kommenden Tag zu übermitteln. Dieses Mal zog man 15 Bomber Group's zusammen, die den Angriff in 2 Wellen fliegen sollten. Immer wieder experiementierte man mit unterschiedlichen Zeiteinstellungen der Zünder und Größen an Bomben, um eine größt möglichste Zerstörung in den Werken zu erreichen. Dieses Mal hatten alle Maschinen 125 Kg (250lbs) geladen mit einer Zündverzögerung von 0,25 bis 1sek.
Die erste Welle bestand aus 5 BG der 3. Air Division, die das englische Festland bei Lowestoft verliessen. Die zweite Welle bestand aus 10 BG der 1. Air Division, die vermutlich aus einer weiter nördlichen Position sich auf den Weg in Richtung Deutschland machten. Der Anflug erfolgte über die niederländische Stadt Leeuwarden die sich in N/O- Richtung befand. Weiter in S/O- Richtung Dümmer See, der sich zwischen Osnabrück und Diepholz befinden, nach Sangerhausen. Bei Sangerhausen/ Kyffhäuser drehte man in einen östlichen Kurs ein und flog das Ziel Leuna aus N/W- Richtung an. Die Bewölkung über dem Ziel gab man im späteren Bericht des US Strategic Bombing Survey mit "5/10 Cloud" an. Als die erste Welle das Ziel erreichte, war das Werk bereits eingenebelt und so versuchte man aus einer Kombination von PFF (Radar) und Sicht das Ziel zu treffen. Während der ersten Welle dies im zentralen Werksbereich gelang, zog sich die Bombardierung der zweiten Welle östlich über das Werksgelände hinaus, da Vernebelung und Rauch der getroffenen Werksteile die Sicht behinderten. In der Tagesmeldung des OKW vom 29. Juli 1944 steht unter Luftlage Reich:
"...Die Masse der Feindflugzeuge (etwa 1000 viermot. mit starkem Jagdschutz) flog über Meppen - Hameln in den Raum Leipzig - Halle - Dresden. Angriff zw. 09.53 Uhr und 10.13 Uhr auf mitteldeutsches Industriegebiet, Schwerpunkt Leuna- Werke. Im Werk schwere Schäden, insbes. im Südteil der Anlage. Einige Bombenabwürfe auf Merseburg..." Besatzungsmitglieder der einzelnen BG berichteten später von insgesamt über 90 größeren Explosionen, die infolge der Bombenabwürfe oder nachfolgenden Explosionen entstanden. Dabei soll es eine sehr große und alles überragende Explosion gegeben haben, die wahrscheinlich durch die gleichzeitige Explosion mehrere Tanks oder Gasometer entstanden ist. Eine Rauchwolke, die sich 6 bis 7 Km in die Höhe erstreckte, war weithin sichtbar. Spätere Auswertungen geben an, dass nur 8- 10% der abgewofen 10887 Bomben im Zielgebiet explodiert sind. Weitere 10% wurden auf Scheinanlagen abgeworfen. Der Gesamtschaden der Angriffe vom 28. und 29. Juli 1944 wird im Bericht des US Strategic Bombing Survey auf 66.320.000,- RM beziffert. Diese Summe setzt sich aus 21.955.000,- RM an Gebäudeschäden zusammen und 44.365.000,- RM an Materialschäden.

B- 17  No. 43-37663

B- 17 No. 43-37663

Weiterhin berichteten Crew- Mitglieder der 100th BG, das dt. Jäger Me 109 parallel zu ihnen mit in den Flak- Bereich einflogen und über Funk wahrscheinlich Höhenangaben für die sich am Boden befindende Flak übermittelten, da anschließend die 100th BG, die die untere Formation der ersten Welle bildete, sich enormen Flak- Beschuß ausgesetzt sah. Durch einen Flaktreffer geriet die B- 17 von Lt Benefield (385th BG) ausser Kontrolle und brach mit brennenden linken Flügel und Heck aus der Formation aus. In ca. 5000 m Höhe explodierte die brennende Maschine und ihre Einzelteile gingen in den Felder um Blösien nieder. Ebenso Lt. Benefield als einziger Überlebender seiner Crew. Er geriet in Kriegsgefangenschaft und überlebte den Krieg. Beim verlassen des Zielgebietes griffen nun dt. Jäger die alliierten Bomber an. Begleitende alliierte Jäger versuchten dies zu verhinden, so das es über Naumburg zu einem heftigen Luftkampf beider Seiten kam. Mehrere alliierte und auch dt. Jäger werden abgeschossen, so auch Lt. Ray Atteberry vom 339th Fighter Group. Seine letzte Position gibt er mit 10 Meilen (16 Km) S/W von Merseburg bei Mücheln/ Gröst an. Lt. Ray Atteberry gerät am 29. July 1944 ebenfalls in dt. Kriegsgefangenschaft