Tarnung des Werkes

Tarn-u. Splitterschutz BRABAG Böhlen

Tarn-u. Splitterschutz BRABAG Böhlen

Bildquelle: LHASA, Mer, Wintershall AG Krumpa

Obwohl das Werk Lützkendorf und auch die Ammoniakwerke Merseburg in Leuna bereits 1940 angegriffen wurden, rechnete man vermutlich nicht damit, dass die Alliierten Luftstreitkräfte diesen Plan erneut in Betracht ziehen könnten. Vielleicht war auch die Siegeszuversicht bis Mitte/ Ende 1942 zu groß. Nur so ist das halbherzige Bemühen zur Tarnung und zum Schutz der Treibstoffwerke zu erklären. Mit der amtlichen Polizeiverfügung vom 1.12.1942 wurde das Werk Lützkendorf zur Tarnung seiner Werksanlagen verpflichtet. Voraus gegangen war eine Besprechung mit anschließendem Bericht vom 31.8.1942 im Luftgaukommando III/ IV in Berlin. Besprechungsgrund waren die Tarnmaßnahmen im Werk Lützkendorf im 3. und 4. Kriegswirtschaftsjahr mit Auswertung der aktuellen Luftbilder. Besonders deutlich hob sich die helle Bodenfärbung der Schmierölfabrik, Hydrierung und alle anderen Stellen an dem man Erde bewegt hatte von der Umgebung ab. Ebenfalls waren Bau 202 (Hochdruckpumpenhalle), 204 (Destillationsanlage), 302 (Destillationsanlage Wilke mit Kühlturm), 303 (Phenol- Extraktionsanlage), 305 ( Entasphaltierungs- u. Entparaffinierungsanlage) u. 309 (Fass- u. Flaschenabfüllanlage) besonders durch die erfolgten Erdarbeiten sichtbar.

Splitterschutz aus Fertigbetonelementen

Splitterschutz aus Fertigbetonelementen

Bildquelle: LHASA, Mer, Wintershall AG Krumpa

Am 4.12.1942 übersendete Wintershall Lützkendorf den Kostenvoranschlag für Tarnmaßnahmen dem Baubevollmächtigten der Rüstungsinspektion XI Hannover. Die Freigabe von insgesamt 250.000,-RM, durch das Luftgaukommando III Berlin, erfolgte am 2.9.1943 - wobei für das 3. Kriegswirtschaftsjahr noch 50.000,- RM verbaut werden konnten. Das Werk hatte jeweils zum Monatsende die verbaute Summe und die % Fertigstellung dem Luftgau zu melden. Im Februar 1943 bestellte das Luftgaukommando 35.000 qm Silitex- Tarnmatten bei der Firma Otto Schulze in Halberstadt zum Abruf für die einzelnen Maßnahmen.
Die Arbeiten an den Tarn- u. Splitterschutzmaßnahmen zogen sich über das gesamte Jahr 1943 hin und wurden von der Firma Ernst Schlieder Hoch- und Tiefbau Leipzig durchgeführt. Durch den Kriegsverlauf 1943 und dem immer weiteren Vordringen alliierter Bomberverbänden kam es zu einem Sofortprogramm für Luftschutzmaßnahmen für das Jahr 1944. In dem Schreiben vom 17.12.1943 wurde das Werk Lützkendorf über die einzuleitenden Maßnahmen unterrichtet.

"...Hiermit erteile ich Ihnen den Auftrag, in Zusammenarbeit mit den zuständigen Luftschutzdienstellen ohne jeden Verzug mit der Ausführung der wichtigsten Arbeiten zu beginnen und dabei über das Abwarten besonderer Genehmigungen u. dergl. keinerlei Zeit zu verlieren. Daneben ist sofort die vollständige Planung aller notwendigen Ergänzungs- und Neumaßnahmen aufzustellen, zur Herbeiführung der erforderlichen Genehmigungen sind die notwendigen Unterlagen schnellstens meiner Abteilung I Bau Bt einzureichen."

Beauftragter für den Vierjahresplan
Der Generallbevollmächtigte
für Sonderfragen der
chemischen Erzeugung
17.12.1943

LHASA, Mer, Wintershall AG Krumpa, Werk Lützkendorf 1/ 460

Getarnte Tankanlage BRABAG Böhlen

Getarnte Tankanlage BRABAG Böhlen

Bildquelle: LHASA, Mer, Wintershall AG Krumpa

Am 10.1.1944 reklamierte Wintershall Lützkendorf beim Luftgaukommando III Berlin telefonisch die schlechte Haltbarkeit der Tarnnetze. Darauf erfolgte am 14.1.1944 eine Vorortbesichtigung in Krumpa. Auf Grund der säurehaltigen Luft im Werk, wurde das Drahtgeflecht der Tarnmatten zersetzt. Die Wintershall A.G. wurde von ihrer Tarnungspflicht entbunden.
Rückblickend auf die später folgenden Ereignisse ein fataler Fehler.