Die Kampagne

Die sogenannte "Kampagne" beginnt in den ersten Oktobertagen. Jetzt beginnt die Zuckerrübenernte. Was heute Maschinen vollbringen, war früher mühevolle und schwere Arbeit bei nasskalten Wetter. Nach dem man die Rüben aus dem Boden gehoben hatte, wurden diese zu langen Reihen aufgeschichtet und mit Erde bedeckt, um sie vor Frost zu schützen. Wagen um Wagen wurden diese dann in die Zuckerfabrik zur Verarbeitung gebracht. Zwei Monate lang werden nun die Schlote der Zuckerfabrik qualmen, bis alle Zuckerrüben verarbeitet sind. Vor Weihnachten ist die "Kampagne" meist zu Ende, während das feld schon wieder für das neue Jahr vorbereitet wird.

Nach dem die Fuhre gewogen wurde, kippte man sie in große Silos um sie zwischen zu lagern. Als erstes durchlaufen die Rüben eine Wäsche, dabei werden sie in großen Schwemmbecken von Erde restlos befreit und schwimmen nun der Verarbeitung entgegen. Anschließend erfolgt das Hechseln zu Rübenschnitzel. In Extraktionstürmen wird durch heißes Wasser der Rübensaft ausgelaugt und es entsteht brauner Rohsaft, der mit Hilfe von Kalk gereinigt wird (ausfällen). Der so entstandene Dünnsaft (15% Zucker) wird in Verdampfungsanlagen zu Dicksaft, mit ca. 50-60% Zuckergehalt.

Der Dicksaft wird zu Füllmasse verkocht, einem Gemisch aus Zuckerkristallen und Sirup. In Zentrifugen wird Sirup und Zuckerkristalle getrennt. Der so gewonnene gelbe Rohzucker wird durch weitere Verfeinerungsprozesse zu Kristallzucker und anschließend in Raffinerien verarbeitet. Die Rübenschnitzel und Blattwerk werden weiter zu Futtermittel verarbeitet. Die bedeutendsten Zuckerfabriken in den 30-er Jahren in Mitteldeutschland waren:

-Stöbnitz
-Zeitz
-Delitzsch
-Artern
-Mühlberg